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Ist Gott gerecht?

Das Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 war die erste große Naturkatastrophe, die das Zentrum einer europäischen Großstadt erschütterte. Es folgten ein Tsunami und ein verheerender Großbrand. Innerhalb eines Vormittags wurde die Stadt Lissabon vernichtet. Tausende Menschen fanden den Tod: zerquetscht, verbrannt oder ertrunken.

Dabei hatte es nicht nur in Portugal gebebt. Dasselbe Erdbeben zerstörte in Nordafrika Moscheen und Synagogen. In Schottland und Wales spürte man das Beben, in Schweden, in Frankreich, in Deutschland. Die Flüsse der Schweiz führten Schlamm, und der See von Neuchâtel stieg über seine Ufer. Gegen zwei Uhr am Nachmittag brandeten die vom Erdbeben ausgelösten Wogen an die Küsten Englands und Irlands, um sechs erreichten sie die Bahamas.

Die Zerstörung Lissabons war ein Schock für die Menschen weltweit. Zum Beleg einige Zeilen aus einem Gedicht, das in der Leipziger Zeitung am 6. Dezember 1755 anonym veröffentlicht wurde:

O grässliches Schauspiel! Welch ein Entsetzen!
Wer lebet nicht und denkt, daß ihn auch treffen kann,
Was dort in Portugal geschehen?
Ein solches Elend anzusehen
Greift auch die härtesten und kältsten Seelen an.

In einem – ebenfalls anonym veröffentlichten – Flugblatt von 1755 heißt es:

Gott schlägt das Haupt, und ganz Europa bebt!
Ihr stolzen Städte zagt! und merkts an eurer Krone;
Wer weiß, wann euch sein Zorn in Schutt und Graus begräbt?
Nicht Lissabon allein hegt Sünder:
Wen dieser Fall nicht lehrt, dem droht sein Grimm nichts minder.

Voltaire – der, nebenbei bemerkt, von Jesuiten erzogen wurde –, veröffentlichte im Mai 1756 sein Gedicht Poème sur le désastre de Lisbonne. Manche lobten die Kunstfertigkeit, andere wandten sich angewidert ab vom düsteren Pessimismus und der Dreistigkeit des Gedichts.

Dass der Tod so plötzlich und unerwartet innerhalb von Minuten Tausende ereilt hatte, war eine furchtbare Vorstellung. Lissabon war ähnlich bedeutend gewesen wie Paris, London und Neapel. Dem Königreich der Seefahrer, die den Wasserweg nach Indien entdeckt hatten und mit Amerika Handel trieben, war plötzlich die weltweit bekannte Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt worden. Über die Frage nach Gottes Rolle in diesem Unglück wurde ausgiebig debattiert. Daran war nicht zuletzt Gottfried Wilhelm Leibniz schuld, obwohl er zum Zeitpunkt des Erdbebens schon lange nicht mehr lebte.

Leibniz war ein großer Universalgelehrter gewesen, zugleich Philosoph, Mathematiker, Physiker, Historiker und Doktor des Rechts. Geboren 1646 in Leipzig, erfand er unter anderem eine Rechenmaschine mit binärer Zahlencodierung, wie sie noch heute in unseren Computern eingesetzt wird.

Neben seinen mathematischen und naturwissenschaftlichen Forschungen beschäftigte er sich auch mit der Frage, wie ein guter Schöpfergott mit all dem Bösen zusammenzubringen war, das auf der Welt geschah. Bis heute benennt man die Debatte mit dem Begriff, den Leibniz dafür prägte: Theodizee (von altgriechisch theós für »Gott« und díke für »Gerechtigkeit«). Wenn Gott allmächtig war und vollkommen gut, warum hatte er dann eine Welt geschaffen, in der es so viel Leid gab?

Um diese Frage geht es im Roman. Und um Antero Moreira de Mendonca, der die Jesuiten hasst. Als sie nach dem Erdbeben den Zorn Gottes predigen, sieht der junge Naturwissenschaftler die Gelegenheit gekommen, sich an dem Orden zu rächen. Doch Gabriel Malagrida, dem als Prophet verehrten Jesuitenführer, gelingt es, Antero ins Gefängnis zu bringen. Er soll hingerichtet werden. Seine einzige Chance, vielleicht noch mit dem Leben davonzukommen, ist die deutsche Kaufmannstochter Leonor. Tatsächlich hilft sie ihm. Doch sie ist, was Antero nicht weiß, ebenfalls eine Jesuitin ...

Falls ihr die Geschichte noch nicht kennt, wünsche ich spannende Lesestunden!

»Die Jesuitin von Lissabon« ist 2010 erschienen, und 2012 auch in Spanien, Portugal und den Niederlanden. Eine Neuauflage liegt seit heute in den Buchhandlungen.

Verlieben in der Buchhandlung

Heute und morgen könnt ihr bei zwei besonderen Lesungen Lena und mich gemeinsam auf der Bühne erleben. Zuerst in Oberursel, wo wir die Premiere des Buchs »Zwischen den Büchern. Wie mich die Liebe in der Buchhandlung traf« feiern, mit Moderatorin Kristine Zimmermann (Hessischer Rundfunk) und den Herausgebern Martina Bollinger und Rainer Weiss und dem Team des Weissbooks-Verlags. Und morgen in Landshut bei »Glücklichsein für Anfänger« mit Hugo Ganslmayer und mir, Ariane Kufner am Klavier, Lena Müller an der Flöte und Christoph Ganslmayer an der Geige.

Mehr zum Buch und den enthaltenen (wahren) Liebesgeschichten erzähle ich in den nächsten Tagen, hier erst mal die genauen Daten zu den beiden Lesungen.

Heute, 20:00 Uhr, Oberursel

Buchpremiere »Zwischen den Büchern. Wie mich die Liebe in der Buchhandlung traf« in der Buchhandlung Bollinger, Hohemarkstraße 151, 61440 Oberursel, die Herausgeber, Martina Bollinger und Rainer Weiss, stellen das Buch vor, der Schriftsteller Titus Müller und seine Frau lesen (nicht nur) ihre Geschichte, Kristine Zimmermann moderiert

Morgen, 29.09.18, 19:30 Uhr, Landshut

»Glücklichsein für Anfänger« mit Hugo Ganslmayer und Titus Müller in der Kreuzkirche, Margeritenstraße 1, 84030 Ergolding, dazu Ariane Kufner am Klavier, Lena Müller an der Flöte und Christoph Ganslmayer an der Geige

Ihr seid herzlich willkommen!

Was mich an Mose fasziniert

Ein wunderbarer Beitrag (dreieinhalb Minuten) lief diese Woche im Münchner Kirchenradio zu "Die Stimme des Schöpfers", hier zum Nachhören. Gabie Hafner hat das Buch gelesen und befragt mich dazu. Unter anderem habe ich ihr erzählt, was mich an Mose fasziniert.

Seminar mit meinem Lektor

Für alle, die schreiben und Freude daran haben, ihre Fähigkeiten zu erweitern: Am 28. Juli geben mein Lektor und ich ein Seminar in Nürnberg, und wir würden uns gern mit euren Texten auseinandersetzen.

Der Stoff für einen Roman muss sorgfältig ausgewählt sein. Dann folgt die Ausarbeitung zum Plot. Gibt es starke Konflikte für die handelnden Figuren? Sind die Ereignisse eng miteinander verbunden? Reizt der Plot die dramatischen Möglichkeiten aus? Und während ein guter Plot hilft, ein Buch zu verkaufen, sorgen erst schillernde, glaubwürdige Figuren dafür, dass es geliebt (und weiterempfohlen) wird. Welche inneren Nöte machen eine Figur authentisch und motivieren sie für die Geschichte? Auf welche Weise lässt sich überzeugend schildern, dass sich eine Figur verändert? Und wie gelingt es, dass sich die Leser mit der Romanfigur identifizieren? Dies wollen wir im Seminar anhand eurer Projekte herausarbeiten, und dabei eure Geschichte voranbringen.

Zu meinem Lektor: Dr. Edgar Bracht, Studium Germanistik / Geschichte und Promotion in Marburg, danach ein Jahr Arbeit als Stadthistoriker (über Fremdarbeiter und Kriegsgefangene unter dem NS-Regime), zehn Jahre lang Lektor bei Bastei Lübbe (zuständig für historische Romane, Thriller und True Crime), seither Lektor im Blessing Verlag (Random House). Er betreute u.a. Kazuo Ishiguro, Mark Haddon, Peter Mayle, Romain Sardou, Edward Rutherfurd und Paolo Giordano.

28.07., Beginn um 9:30 Uhr im CPH (fünf Minuten vom Hauptbahnhof), der offizielle Teil endet 17:30 Uhr, wahrscheinlich gehen wir danach noch zusammen etwas essen.

Die Teilnahme am Tagesseminar (ohne das Essen) kostet 100 Euro.

Wir sind gespannt auf eure Projekte und Texte!